Der Fall Heller oder Bewerbung 2.0

Der Fall Heller oder Bewerbung 2.0

Ein Thema das niemals enden wird ist die Suche nach einem Arbeitsplatz. Das was sich gerade ändert, sind die Vorgehensweisen sowohl bei der Jobsuche als auch bei der Jobvergabe. Beide Seiten, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, lernen gerade hierfür das Internet professionell zu nutzen und effektiv einzusetzen. Am schönsten kann man derartige Entwicklungen natürlich immer an best practice Beispielen festmachen.

Was machte Christine Heller besser?

Sehr beeindruckend war es, zu verfolgen, wie die „Punktefrau“ sich selbst schon fast als Marke etablierte, um ihren Wunschjob zu finden und dann auch zu bekommen. Keine Bewerbungsunterlagen, die ich selbst verfasst habe oder die ich bisher gelesen habe, haben mich derart überzeugt, wie der Blogbeitrag von Christine Heller. Dieses Gewürge bei den Anschreiben! Wie verpackt man sein Image in einen Miniabsatz auf dem Anschreiben? Es ist unmöglich. Das Ergebnis war und ist, dass sich alle Anschreiben immer ähnlicher werden. Wie soll man auch in 300 Worte fassen, was einen von allen anderen unterscheidet. Und noch wichtiger ist, wie man das bitte belegen soll. Der Lebenslauf, welcher ja mindestens genauso wichtig ist wie das Anschreiben, ist geprägt von Abschlüssen und Zeugnissen. Immer wichtiger wurden dann noch die Adons wie z.B. Belege für Fortbildungsmaßnahmen oder ähnliche „Beilagenzettel“. Nachdem ich mir den Blogbeitrag von Christine Heller durchgelesen hatte, merkte ich, dass ich zum ersten Mal von einer Bewerbung überzeugt war. In jedem Absatz konnte man erkennen, dass er individuell und nicht aus irgendeinem Bewerbungsratgeber abgeschrieben war. Die ultimative Art zu belegen, dass das Geschriebene auch von Christine Heller ist, gab sie dann durch das Video! Video und Blogbeitrag passten zueinander. Die Person wurde greifbar. Das Bild zeichnete sich langsam. In keinem meiner eigenen und mit anderen geführten Bewerbungsgesprächen hatte ich jemals das Gefühl ein nur annähernd authentisches Bild generieren zu können bzw. zu erhalten. Doch ist dies nicht eigentlich genau das Ziel eines jeden Bewerbungsgespräches?

Bewerbung 2.0: Standard oder nicht, das ist hier die Frage…

Als die Bewerbung schließlich mit der Anstellung im Wunschjob endete, verstummten viel Kritiker erst mal. Doch es dauerte nicht lange, bis die Verfechter der „old school“ wieder einen neuen Ansatz fanden. Kann sich die Bewerbung 2.0 jemals als Standard durchsetzen. Eindeutiges, sehr schnell gefundenes Ergebnis: Natürlich nicht! Christine Heller ist ein Ausnahme- vielleicht sogar Einzelfall! Schon der Einzelfall wurde dann auf der re:publica widerlegt. Seither dreht es sich um die Frage Standard oder Ausnahmefall. In meinen Augen stimmt von beidem etwas. Wie soll man denn die ganz individuell erstellte Bewerbungskampagne von Frau Heller standardisieren? Das ist sicherlich nur schwer möglich. Und ich meine damit nicht den Inhalt von Beitrag, Video, etc.. Es geht mir um die Vorgehensweise. Die kann man bei einer Bewerbung 2.0 nicht standardisieren. Weder im Bereich der verwendeten Media noch in der Herangehensweise. Es ist doch genau die individuelle Art des Strickmusters der Bewerbung, die den Bewerber authentisch macht. Jeder Bewerber muss seine Strategie und seine Taktik auch seinen Möglichkeiten anpassen. Nur dann kann Authentizität transparent dargestellt werden. Ein Maurer könnte z.B. mit Flickr Alben und youtube Videos seine Arbeit und deren Ergebnisse dokumentieren. Weiterhin würde bei ihm bestimmt kein bestens strukturierter und getexteter Blogbeitrag zum Erfolg führen. Es wäre viel eher eine Tipps, Tricks und FAQ Seite im Blogstil, die er samt Flickr Alben und Videos ganz einfach und mit wenigen Worten über sämtliche sozialen Netzwerke verteilt.

Das Ende einer Ära

Im Gegensatz zu vielen Experten meine ich, dass die altgediente Art und Weise, geeignete Arbeitnehmer für offene Stellen zu finden, nun ausgedient hat. Viel zu umständlich, unehrlich und nervtötend sind hier die Abläufe. Auf der re:publica bekam die Veränderung hin zur Bewerbung 2.0 nochmal eindeutig Wind in die Segel. Auf der anderen Seite ist mir leider auch bewusst, dass in den entscheidenden Positionen immer noch viel zu viele old school girls & boys sitzen, als dass diese Veränderung umgehend erfolgen wird. Erfolgsgeschichten wie die von Christine Heller oder auch ihrem Co-Referenten Jochen Mai sowie die weiteren Beispielen im Video oder Nico Lumma und Falk Hedemann helfen aber sicherlich dabei, immer mehr Entscheider von den Vorteilen einer Bewerbung 2.0 zu überzeugen.

Ich hoffe das Ende der Ära lässt nicht zu lange auf sich warten!

Ihr Manuel Hiemer

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